Katze Schnuffi

Nicole hat sich schon im Kindergartenalter eine Katze gewünscht. Aber das Kätzchen, das uns damals zugesagt wurde, wollten die Besitzer doch lieber selbst behalten. Wir waren alle sehr enttäuscht.

Irgendwann aber war es dann endlich soweit. Nicole bekam eine schwarze europäische Kurzhaarkatze, die ein knappes Jahr alt war.

 

In den ersten 2 bis 4 Wochen sollte die Katze noch nicht aus dem Haus gehen, um sich zuerst an die neue Umgebung zu gewöhnen und sich zu Hause zu fühlen.

 

Ihren Kratzbaum haben wir für sie ins Wohnzimmer gestellt. Trotzdem hatte sie Angst in der fremden Umgebung und wollte sich verstecken. Die Kinder wiederum freuten sich über Schnuffi und wollten nur mit ihr kuscheln. Das wurde ihr schnell zuviel und sie suchte sich ein neues Versteck. Daraufhin haben wir sie einen ganzen Tag lang verzweifelt gesucht. Wir befürchteten schon, dass sie unbemerkt nach draußen schlüpfen konnte und nun nicht mehr zurückkam. Schließlich bekam sie Hunger und wir sahen, wie sie sich zwischen dem Sockel und dem Herd der Einbauküche hindurchquetschte. Dort hätten wir sie nie vermutet. 

 

Später ist ihr das zu eng geworden und sie brauchte es auch nicht mehr, sie schlief doch lieber in Nicoles Bett.

 

Bevor wir Schnuffi dann nach draußen ließen, musste sie natürlich noch gegen Katzenkrankheiten geimpft werden. Außerdem war es Zeit, sie kastrieren zu lassen, denn wir wollten nicht regelmäßig kleine Kätzchen großziehen. Da sie dazu narkotisiert wurde, ließen wir auch direkt eine Nummer in ihr Ohr tätowieren, so dass sie daran jederzeit wiedererkannt werden konnte.

Morgens haben wir Schnuffi in der Tierarztpraxis abgegeben und durften sie dann nachmittags wieder abholen. Der Katzenkorb war grün von der Farbe der Tätowierung, die Schnuffi gar nicht zu bemerken schien. Wegen der Operation sollte sie noch einige Zeit an einem ruhigen Ort gelassen werden, um sich erst ein bisschen zu erholen. Wir ließen sie also den Rest des Tages auf der Gästetoilette, wo sie nicht großartig rumtoben konnte.

 

Aber Schnuffi wollte schnell dort wieder raus und wir haben uns sehr gewundert, wie problemlos sie alles überstanden hatte und wie schnell die Wunde verheilte.

 

Von nun an durfte Schnuffi nach draußen, wann immer sie wollte. Meist war sie nachts weg und stand morgens pünktlich um 7 Uhr wieder vor der Tür. Doch eines Tages im Sommer blieb sie weg. Nicole war sehr traurig und überlegte, was ihr passiert sein konnte. Wir wollten die Kinder beruhigen und erklärten ihnen, die Katze mache sicher auch mal Urlaub. Mit dem Gedanken konnten sie sich glücklicherweise anfreunden und es hieß nur noch: Die Katze macht gerade Urlaub auf Mallorca. Nach einem Monat stand Schnuffi dann wieder vor unserer Tür, als wäre nichts gewesen. Die Kinder haben sich gefreut, aber wir mussten leider zum Tierarzt, weil Schnuffi sich Grasmilben eingefangen hatte.

 

Nicole war glücklich und kümmerte sich um ihre Katze, denn sie liebte sie über alles. Sogar ihre Halloween- und Karnevalskostüme suchte sie entsprechend aus.

 

Im nächsten Sommer verschwand Schnuffi wieder und sofort hieß es ganz beruhigt: Schnuffi macht wieder Urlaub auf Mallorca. Doch sie kam nicht wieder. Nach 3 Monaten entschieden sich die anderen für ein neues Haustier, dieses Mal sollte es aber ein Hund sein. Nur Nicole sehnte sich nach ihrer Katze.

Als Mirko dann eine Woche bei uns war, stand Schnuffi pünktlich zum 1. Schultag nach den Sommerferien plötzlich wieder vor der Tür, als wäre nichts gewesen. Doch sie traute sich erst nicht ins Haus, denn da war ja jetzt ein fremder Hund. Nicole hatte große Angst, dass sie sofort wieder wegläuft. Sie passte daher gut auf, dass die beiden sich langsam einander näherten und friedlich miteinander umgingen.

 

Das war schwierig, denn Mirko wollte mit Schnuffi spielen und hat sich ab und zu, wenn er zu wild wurde, einen Tatzenhieb eingefangen. Allerdings hat er nie die Krallen zu spüren bekommen. Bald hatte Schnuffi die Rangordnung zu ihren Gunsten geregelt. Sogar beim Fressen hat er geduldig gewartet, bis sie satt war, bevor er sich auf den Napf gestürzt hat.

 

 

Schnuffi kuschelte am liebsten mit Nicole oder schlief in ihrem Bett. Deshalb brauchte sie alle 1-2 Monate eine Wurmkur, denn sie war leider sehr anfällig für Würmer. Zuerst versuchten wir es mit Tabletten. Aber sie wollte sie nicht fressen. Also versuchten wir, die Tabletten unter ihr Lieblingsfutter zu mischen, welches sie daraufhin jedoch nun nicht mehr anrührte. Dann versuchten wir, ihr die Tablette möglichst weit in den Mund zu schieben. Als Ergebnis waren wir ziemlich zerkratzt und die aufgeweichte Tablette wieder ausgespuckt. Die Tierärztin gab ihr einige Male eine Spritze statt der verhassten Tablette, aber dann zeigte sie uns, wie man die Katze zuerst in ein Handtuch wickelt, dann die Tablette in den Mund schiebt und direkt mit einer Spritze Wasser hinterhergibt, damit die Katze schlucken muss. So ging es etwas besser, aber wir haben immer aufgeatmet, wenn wir es endlich geschafft hatten.

Nicole war sehr glücklich mit ihrer Katze, denn bis auf die Sommermonate, in denen mal Schnuffi und mal wir Urlaub machten, konnte sie täglich mit ihr kuscheln, was sie sehr genossen hat. Und Schnuffi gefiel es, dass sie sich drinnen und draußen aufhalten konnte, je nachdem worauf sie gerade Lust hatte. Und Schmuseeinheiten konnte sie sich überall holen, meist bei Nicole aber sogar auch bei Mirko.

Eines Tages im Herbst kam Schnuffi nicht nach Hause. Nicole hat sich direkt Sorgen gemacht und folgenden Text an die Straßenlaternen geheftet:

Schnuffi wird vermisst

 

Ich vermisse meine Katze Schnuffi seit Dienstag, den 29.6.2004.

Schnuffi ist eine europäische Kurzhaarkatze (EKH). Sie ist schwarz mit einigen weißen Flecken. Schnuffi ist 2 Jahre alt, weiblich und kastriert. In ihre Ohren sind Zahlen tätowiert: Im rechten Ohr steht unsere Postleitzahl: 53332. Im linken Ohr steht: 2-240.

Wenn du die Katze findest, melde dich bitte unter der Telefonnummer: 02227/82228.

Vielen Dank für deine Hilfe!

Nicole Brandt

Eine Nachbarin erzählte, sie hätte am Rand einer nahen Hauptverkehrsstraße eine schwarze Katze liegen sehen. Da Schnuffi 2 Tage nicht zu Hause war, gingen die Kinder sofort los, um sich zu vergewissern, dass es nicht Schnuffi war, die tot im Straßengraben lag. Nachdem sie sie nicht finden konnten, zog ich los und kam leider mit unserer Katze wieder. Alle waren sehr traurig, doch Nicole hörte gar nicht mehr auf zu weinen.

Da beschlossen wir,  Schnuffi zu beerdigen. Die Kinder beruhigten sich etwas, denn nun konnten sie noch etwas für Schnuffi tun: Sie bauten ihr einen Sarg aus Fichtenholz, bemalten die Seiten und brannten Abschiedsgrüße auf den Deckel:

Schnuffi

wir vergessen dich niemals

Schnuffi

wir vermissen dich

Nadine sägte und bemalte und lackierte ein Herz und Nicole ein Holzkreuz, auf dem steht:

Schnuffi

* 16.03.2002

t 01.11.2006

Nachdem Yannick eine Grube ausgehoben hatte, fand die Beerdigung statt. Einige Freundinnen kamen, der Sarg wurde in die Erde gelassen und die Kinder warfen Blumen und Erde hinterher. Nach dem Leichenschmaus hat Nicole schließlich das Grab gestaltet.

 

 

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