Katze Molli (in Arbeit)

Einen Monat nach Schnuffis Beerdigung wurden wir gefragt, ob wir für Nicole eine andere Katze haben möchten, nämlich Molli, eine sechs Jahre alte, kastrierte Kätzin, die sonst ins Tierheim müsse. Abgegeben wurde sie, weil die anderen Katzen sie übermäßig gemobbt haben, worunter sie sehr gelitten hatte.

 

Einen Tag später wurde uns Molli schon gebracht. Nicole war glücklich: Endlich hatte sie wieder eine Katze! Wir hofften, dass Molli ihr über den Verlust von Schnuffi hinweghelfen würde. Nicole liebt Molli, aber ihre Trauer um Schnuffi bricht doch immer wieder durch.

 

Anfangs war Molli noch recht schüchtern, doch dann suchte sie schnell Kontakt.

  

Molli war mit Hunden, Katzen und Kindern aufgewachsen, daher verlief die Bekanntmachung mit Mirko problemlos. Mirko beschnupperte Molli neugierig und nach kurzer Zeit kuschelten die zwei schon miteinander.

 

Molli legte auch schnell die Rangordnung fest: Mirko musste warten, bis sie gefressen hatte, dann durfte er sich die Reste nehmen. Wenn jeder seine eigene Schüssel hatte, konnten sie friedlich nebeneinander fressen.

 

Weil Molli immer nach draußen wollte, obwohl sie doch in den ersten Wochen im Haus bleiben sollte, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, legte Nicole ihr ein Katzengeschirr um und führte sie an der Leine durch den Garten. Am nächsten Sonntag schlief Nicole länger und ich wollte daher ebenso mit Molli durch den Garten laufen. Doch plötzlich riss sie sich los, rannte zur Grenze, spang auf die Mauer und bevor ich sie wieder einfangen konnte, verschwand sie durch den nächsten Garten Richtung Feld. Wir haben sie ganz verzweifelt gesucht, alle Kinder der Straße haben uns dabei geholfen, da sie sich ja mit der Leine überall hätte verfangen können... Nach zwei Stunden klingelte dann ein Mädchen an der Tür und berichtete ganz aufgeregt, dass ein Nachbar die Katze in seinem Garten gefunden hätte, weil sie sich dort in den Sträuchern verfangen und ganz kläglich miaut hat. Da konnten wir endlich erleichtert aufatmen.

Als Molli dann endlich raus durfte, erkundete sie nur ganz zögerlich ihre neue Umgebung. Am liebsten ist ihr der Sommer, denn da stehen die Türen offen und sie kann raus und rein, wann immer sie will, dabei ist sie jedoch sehr neugierig und guckt immer, was los ist.

 

Nie läuft sie weit weg, kommt immer schnell wieder und bleibt nur ganz selten über Nacht weg. In der ersten Zeit begleitete sie mich morgens oft bis zur Straße, wenn ich mit Mirko ins Feld ging. Aber über die Straße wollte sie nicht, sondern kehrte lieber nach Hause zurück.  Dort erwartete sie uns dann, ungeduldig maunzend. Weil wir keine Katzenklappe haben, klopft sie auch gerne, wenn sie wieder ins Haus möchte, so lange an eine Tür, bis jemand öffnet. Wenn das nicht hilft, guckt sie am nächsten Fenster, ob dort jemand ist, der sie rein lässt.

Anfangs schlief Molli am liebsten in der Kammer unter der Treppe. Dort hatte sie ihre Ruhe. Inzwischen legt sich Molli gerne in einen Korb mit frisch gewaschener Wäsche und macht es sich dort bequem.

 

Aber es gibt auch genügend andere Plätze, wo es gemütlich ist: Auf der Liege im Garten, in Yannicks Kleiderschrank oder in Nicoles Bett.

  

Wenn ich morgens aufstand und zur Toilette ging, kam Molli immer hinterher, legte sich auf den Rücken und forderte mich so auf, ihren Bauch zu streicheln. Inzwischen bunutzt sie immer dann ihr Katzenklo, wenn ich zur Toilette gehe. Wenn sie Durst hat, springt sie anschließend auf die Toilette, beugt sich hinein und holt sich mit der Pfote Wasser zum Trinken.

    

  Das muss genau geprüft werden: Ist es wirklich der richtige Freund für Nicole?

 

Molli ist richtig anhänglich geworden. Sie ist zu Nicoles großer Freude eine richtige Schmusekatze. Häufig kommt Nicole nach Hause und ruft Molli, um zuerst einmal mit ihr zu schmusen.

  

 Molli und Mirko haben ein tolles Spiel entwickelt, welches mir manchmal den letzten Nerv raubt und Mirko zu einigen Leckerbissen verhilft: Beide werden in der Küche gefüttert. Wenn Molli Hunger hat, miaut sie dort so lange, bis ich ihr Futter oder etwas Milch ins Schälchen gebe. Sie probiert kurz, entscheidet sich gegen das Fressen, und geht weg. Mirko stürzt sich dann erfreut auf die Reste. Daraufhin kommt Molli zurück und miaut erneut, weil sie ja eigentlich doch Hunger hat. Mir bleibt nur die Möglichkeit, ihr erneut etwas zu geben (mit gleichem Erfolg natürlich), oder weit weg zu laufen, weil ich das Miauen nicht mehr hören kann, denn dieses, inzwischen Ritual, spielen sie täglich und mehrmals hintereinander. Wenn es jedoch gut schmeckt, können sie sogar von einem Teller fressen. Aufgefallen ist mir auch, dass Molli lieber das Hundefutter und Mirko lieber das Katzenfutter frisst.

 

 Mit der Katze der Nachbarn versteht Molli sich gar nicht. Im Spätsommer kam es sogar zum Kampf zwischen den beiden. Sie haben sich richtig gefetzt. Molli trug einige Wunden davon, die später wieder verheilten. Nur das rechte Ohr erinnert noch daran, denn dort fehlt seitdem die Spitze.

 

Nicole kann sich ein Leben ohne Katzen gar nicht mehr vorstellen. Sie ist glücklich, wenn sie Molli mit Leckerchen verwöhnen und anschließend mit ihr kuscheln kann.


 Im Winter sitzt Molli oft in Nicoles Zimmer auf der Fensterbank und guckt in den Garten. Vor kurzem ist mir aufgefallen, dass sie genauso gerne im Flur am Fenster sitzt. Auch dort versucht sie immer, die Gardine zur Seite zu schieben. Nur handelt es sich hier um eine Bistrogardine, die mit Klebehaken am Fenster befestigt ist. Wie oft habe ich schon auf diese Haken geschimpft, weil sie immer wieder abfielen und die Gardine dann unten lag. Jetzt weiß ich endlich, dass es nicht an den Haken liegt: Molli möchte freie Sicht nach draußen haben und reißt sie absichtlich runter!

  

 Molli war froh, als es draußen wärmer wurde, sie konnte endlich wieder draußen spielen oder schlafen und die Sonne genießen. Türen und Fenster standen offen und sie konnte immer in die Küche kommen, wo Trockenfutter und ein Milchschälchen standen.

  

 Doch plötzlich tauchte eine fremde Katze auf. Nadine kümmerte sich etwas um dieses herrenlose Tier und schnell fand Felix den Weg ins Haus.

 

 Das war Molli anfangs gar nicht recht. Das war ihr Haus, ihr Futter, ihre Familie. Niemand sollte sie ihr wegnehmen! Aber Molli war von Natur aus eine liebe Katze und Felix entpuppte sich als ziemlich frech. Also beschnupperten sie sich, lernten einander kennen und legten die Rangordnung fest: Felix hat gewonnen; vielleicht, weil Molli seine Krallen nicht mochte... Nur bei Nicole ist Molli noch immer die Nummer eins.

 

 Viele Jahre sind seitdem vergangen.
Molli wurde sehr krank und musste am 13. März 2018 eingeschläfert werden.

 

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